Trauer ist ein Chamäleon!

Trauer ist ein Chamäleon!

Da bin ich wieder ─ mit einem Gedanken, den ich heute mit dir teilen möchte.

Ja – Trauer ist wie ein Chamäleon. Und das wechselt oft schneller die Farbe, als du schauen kannst. Denn das Chamäleon passt sein Farbkleid permanent neu seiner Umgebung an.

Und ziemlich genauso ist es mit der Trauer.

Das Wort „Trauer“ klingt nach etwas Statischem. Nach einem Zustand, der irgendwie zementiert zu sein scheint. „Die Trauer“. Das Dumme ist nur. „Die Trauer“ gibt es nicht. „Die Trauer ganz in schwarz“ schon gar nicht. Auch wenn wir das erwarten. Denn die Trauer wechselt laufend die Farbe. Permanent. Mal ist sie düsterschwarz und voller hoffnungsloser Traurigkeit. Mal gelb und voller warmer Dankbarkeit. Mal grün gefüllt mit sehnsüchtiger Hoffnung. Mal weiß und voller ohnmächtiger Angst. Dann wieder ist sie die blanke rote Wut. Such es dir aus. Sie beinhaltet alle Gefühle. Und alle Farben. Auch Liebe, Schuld, Scham, Schmerz, Freude, Wehmut, Sehnsucht, Hilflosigkeit, Ohnmacht und noch viele Gefühle mehr. Und das manchmal in schnellem Wechsel. Bis dir schwindelig ist und du nicht mehr weißt, wohin mit dir.

Wenn du in Trauer bist, dann suchst du nach etwas, das dir Halt gibt. In einer Welt, die gerade haltlos geworden zu sein scheint. In der sich alles dreht. In der deine Gefühle dich hin und her werfen. Denn genau das ist Trauer.

Trauer ist ein Chaos der Gefühle.

Nicht mehr. Nicht weniger. Dieses Chaos ist wahnsinnig anstrengend. Es entzieht dir deine Energie. Auch deine Gedanken springen hin und her, wie Wasser auf einer heißen Herdplatte. Und du glaubst, du hältst es nicht länger aus.

All das ist normal und gehört dazu!

„Kann das niemand mal eben wegmachen? Gibt es da nichts, damit ich ‚wieder normal‘ bin?“ Ja. Gibt es. Aufklärung im Sinne von „Wissen“ – hilft. Ein wenig.

Jeder Mensch trauert anders. Das ist keine Worthülse! Das ist echt so.
Deshalb gibt es auch kein Patentrezept. Und keine Abkürzung. Kein „one size fits all“.
Und dann ändert die Trauer frecherweise auch noch laufend ihre Farbe. Innerhalb desselben Tages. Manchmal sogar innerhalb weniger Sekunden.
Ein Lied. Ein Wort. Ein Bild. Und wusch macht es. Gerade noch zu Tode betrübt und kurz darauf voll dankbarer Liebe. Einfach so. Das haut den stärksten Mann um… die stärkste Frau übrigens auch…

Du bist nicht allein auf der Welt. Gott sei Dank nicht. Das wäre echt Horror. Und es gibt Menschen, Familie und Freunde, die dir auf deinem Weg durch das Chaos der Trauer Halt geben und Trost schenken können. Und dir helfen. Wenn du das zulassen kannst.

Aber – so schön es ist, dass wir nicht die einzigen fühlenden Wesen hier sind – so schwierig ist es auch. Denn jeder Mensch kennt das Gefühl von Trauer. Jeder hat sich schon von jemandem oder etwas Geliebtem verabschieden müssen. Und hat seine ganz eigene, individuelle Erfahrung damit gemacht. Und meist erwartet derjenige, dass es dir genauso geht, wie ihm oder ihr.

Tut es aber nicht. Zumindest meistens nicht.
Und jetzt haben wir ein Problem…
Ist dir schon einmal aufgefallen, dass du jedem eine andere Version derselben Situation erzählst? Oft sind nur Kleinigkeiten in der Wortwahl anders. Aber manchmal hat deine Geschichte sogar eine völlig andere Färbung. Denn es ist wahrscheinlich, dass du auf die Energie, auf die Aussage, auf die Antwort deines Gegenübers reagierst. Auch auf die ausgesprochenen oder unausgesprochenen Erwartungen.

All das geschieht unbewusst!!!
Niemand macht das absichtlich. Nur – es macht die Trauer noch anstrengender.
Erhöht das Chaos noch. Und saugt weitere Energie.

Du bist du. Und du hast das Recht auf deine eigene Trauer. Auf dein ganz persönliches Chaos. Du kannst nicht auch noch alle anderen verstehen, wenn du dich gerade selbst nicht verstehst. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Missverständnisse sind in dieser Lebensphase normal. Sprechen hilft. Oft. Aber nicht immer.

Du bist genauso richtig, wie du bist. Mit all deinen Gefühlen. Auch wenn du trauerst. Gerade und ganz besonders, wenn du trauerst!

Mit deinen ganz eigenen Farben. Einzigartig und einzigartig schön. Ein Unikat. Wie das Chamäleon. Und weißt du was – ich bin überzeugt davon, dass genau das Wissen darum dir Halt gibt. Nicht im Sinne von – ich weiß, wie es geht – sondern im Sinne von:

„Ich weiß, dass ich okay bin. In meiner Trauer. Mit meiner Trauer. All das ist normal.“

Denn all das ist Trauer. Und noch viel mehr.

Du bist kein Alien. Du bist ein Mensch in Trauer.

Und das Leben geht einfach weiter. Es schert sich nicht darum. Es fragt nicht, ob dir das passt. Es geht einfach weiter.

Ich geh jetzt leben. Und du?

Herzliche Grüße
Mona

Abonniere meinen Newsletter

Garantiert kein SPAM und keine Weitergabe Deiner Adresse an Dritte.

Mitreden? Einfach Newsletter abonnieren! Mitglied sein heißt: Du bekommst meinen Newsletter und kannst meine Beiträge kommentieren. Mehr nicht.