Wenn die Kripo am Sterbebett steht…

Wenn die Kripo am Sterbebett steht…

Da bin ich wieder – mit einem Gedanken, den ich heute mit dir teilen möchte.
Und der mich schon länger umtreibt. Es geht hierbei um Wissen, das ich mit dir teilen möchte und nicht um einen Gedankenimpuls.

Stell dir einmal kurz folgende Situation vor:
Ein von dir geliebter Mensch ist schwer krank und wünscht sich zuhause zu sterben. Es ist nicht einfach – aber du machst es möglich. Auf einmal kommt unerwartet heftige Atemnot hinzu. In deiner Not rufst du den Notarzt. Der Notarzt kommt schnell, aber in den verstrichenen Minuten ist der Tod schon eingetreten. Der Notarzt kommt zu spät, um noch etwas tun zu können. Außer den Tod festzustellen. Was er auch tut.

Als nächstes kommt meist etwas, womit du wahrscheinlich nicht rechnest. Wie auch? Wer weiß das schon…

Als nächstes kommt die Kriminalpolizei.

Die Kripo? Echt jetzt? Wie im Krimi?
Hier wurde doch niemand ermordet!

Nur – woher soll der Notarzt das wissen? Er kennt ja die Krankengeschichte nicht. Er wird fast immer einen „Tod aus ungeklärter Ursache“ feststellen. Etwas anderes kann er nicht tun. Das könnten nur HausärztInnen oder PalliativärztInnen, die den Fall kennen. Aber in einem Notfall würde es zu lange brauchen, ihn oder sie zu rufen. Und ein Todesfall mit ungeklärter Ursache ruft immer die Kripo auf den Plan. Immer. Denn es könnte sich auch um einen Mord handeln. Und um das auszuschließen, steht die Kripo am Sterbebett.

Und die Angehörigen müssen das Zimmer verlassen. Damit die Kripo den Leichnam untersuchen kann. Das ist für alle Beteiligten eine ganz schwierige und emotional hoch belastende Situation.

Im Anschluss wird die Kripo den Leichnam – deinen geliebten Menschen – sogar in die Rechtsmedizin oder Pathologie eines Krankenhauses mitnehmen. Die ihn wieder frei gibt, nachdem ein „natürlicher Tod“ festgestellt wurde. Das dauert in der Regel maximal zwei Tage. Wenn das Wochenende dazwischen liegt auch länger. Und gut zu wissen – direkt danach geht er zu dem Bestatter deiner Wahl.

Bitte verstehe mich nicht falsch.
Rufe den Notarzt, wenn die Situation danach ist.
Unbedingt!!!

Hiermit kannst du unter Umständen sogar dafür sorgen, dass der Notarzt einen „natürlichen“ Tod ankreuzen kann. Wenn es sich um einen „Palliativpatienten“ handelt:

  1. Alle Medikamente etc. genauso stehen lassen. Nichts wegräumen!
  2. Dem Notarzt eine „Palliativakte“ vorlegen. Die Diagnose, Medikamente, Verlauf und behandelndes Palliativteam enthält.
  3. Evtl. direkter Telefonkontakt von Notarzt, zu Hausarzt oder Palliativteam.

Genau dasselbe passiert übrigens auch, wenn du jemanden tot auffindest. Und den Notarzt, Arzt oder die Polizei zur Hilfe rufst. Wozu es keine Alternative gibt.
Nur im Fall eines Falles – sei auf das Szenario der Kripo am Sterbebett vorbereitet. Zumindest in Deutschland. Um mehr geht es mir gar nicht. Und meist sind die BeamtInnen total rücksichtsvoll. Sie machen ja auch nur ihren Job. Und fast immer bekommst du die Möglichkeit noch Abschied zu nehmen. Mit Berührung und alleine im Raum sein. Und wenn erst später Fragen auftauchen – was in dieser Situation völlig normal ist – dann werden dir deine Fragen nachträglich beantwortet.

Ich will dich nur nicht bei mir in der Trauerbegleitung stehen haben, weil dich genau diese Situation völlig unvorbereitet ereilt hat. Es ist ja schon schwer genug damit klarzukommen, des Mordes verdächtigt zu werden – aber in solch einem Moment kann das emotional extrem belastend sein. Mehr als das. Es kann diesen besonderen Moment des Abschieds, der häufig sehr viel Würde und Liebe in sich trägt, dominieren. Und das überlagern, um was es eigentlich geht.

Um diesen „heiligen“ Moment, in dem ein Leben erlischt. Dieser ist unwiederbringlich und einmalig.

Und wird dir immer im Gedächtnis haften bleiben. Sich in deine Erinnerung einbrennen. Samt allen Gefühlen und allen Bildern. Wie eine Geburt. Nur andersherum.

Jeder Tod ist anders. So wie jeder Mensch ein Unikat ist, ist auch jeder Abschied einzigartig. Manche sind schwer und hart. Ein Kampf. Andere leicht und frei. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Manche voller Stille und unausgesprochener Emotionen. Andere voller Liebe und Fürsorge.

Ich hatte die Ehre bei vielen Abschieden dabei sein zu dürfen. Für mich ist das eine große Ehre. Denn es ist ein sehr, sehr intimer Moment.

Vielleicht ist genau diese Erfahrung der Grund, warum ich mein Leben als ein großes Geschenk betrachte. Das ich aus ganzem Herzen leben will. Mit allem drum und dran.

Ich geh jetzt leben. Und du?

Herzliche Grüße
Mona

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